Persönliches

Mein Vater und ich in Bolivien

Meine Wurzeln liegen in Südamerika, denn in Sucre in Bolivien bin ich geboren. In einem Kinderheim habe ich die ersten 3 3/4 Jahre meines Lebens verbracht. Mein Adoptiv-Vater, Bernd Molzberger, arbeitete zu der Zeit in Bolivien als Entwicklungshelfer in dem Kinderheim in Sucre, in dem ich auch wohnte und lebte. Als mein Vater zurück nach Deutschland ging, hatte er in Absprache mit seiner Frau, meiner Mutter Brigitte Molzberger, beschlossen, mich mitzunehmen und zu adoptieren.

Im Kinderheim in Sucre, Bolivien

In Deutschland erwartete mich meine neue Familie, ich bekam sogar eine Schwester im gleichen Alter. Mein Bruder kam fünf Jahre später noch dazu. Eine Familie für mich in Deutschland – alles hätte ich für mein Leben erwartet, aber bestimmt das nicht. Welch ein Glück, welch eine Chance.

Meine Eltern und ich bei einer Fahrt nach Berlin.

Meine Eltern haben mir Werte vorgelebt, die ich in der SPD wiedergefunden habe: Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität.

Freiheit bedeutet für mich die Möglichkeit, selbstbestimmt zu leben. Meine Eltern haben mich nie zu etwas gedrängt, ich durfte immer selbstbestimmt handeln und wurde in meinen Entscheidungen von Ihnen unterstützt.

Gerechtigkeit ist für mich, dass jede*r die gleichen Teilhabechancen am gesellschaftlichen Leben hat. Mein Vater hat Jugendfreizeiten organisiert, hat eine Jugendbildungsstätte geleitet. Er war Entwicklungshelfer und Diakon in der katholischen Kirche. In diesen Funktionen hat er Schwächeren die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht und war damit immer ein Vorbild für mich.

Solidarität heißt für mich wechselseitige Verbundenheit. Meine Eltern haben sich für die Schwächeren eingesetzt und geholfen, wo immer es ihnen möglich war. So haben meine Eltern z. B. noch ein weiteres Pflegekind hier in Deutschland angenommen, das keine Angehörigen mehr hatte. So bin ich zu meiner weiteren Schwester gekommen.

Ich bekam die Chance auf Bildung. Ich durfte die Hauptschule in Kirchen besuchen und machte meinen Realschulabschluss auf der Berufsfachschule in Kirchen/Betzdorf.

Ich bekam die Chance zur beruflichen Ausbildung. Ich wurde bei SSI-Schäfer in Neunkirchen erfolgreich zum Energieelektroniker Fachrichtung Betriebstechnik ausgebildet.

Ich durfte frei wählen, ob ich zur Bundeswehr gehe oder Zivildienst mache. Ich habe mich für den Zivildienst entschieden. Den leistete ich im Elisabeth Krankenhaus Kirchen auf der Inneren Station. Es war für mich eine prägende Zeit, wir waren gut besetzt auf der Station und hatten viel Zeit für die Patientinnen und Patienten. Deshalb entschied ich mich für eine zweite Ausbildung in der Krankenpflegeschule des Elisabeth Krankenhaus Kirchen und legte dort das Examen zur Krankenpflege erfolgreich ab.

Jetzt kam ich meine Chance auf Arbeit. Ich habe dann 11 Jahre als Krankenpfleger in der Fachklinik Hilchenbach gearbeitet. Dort habe ich verschiedene Erfahrungen in der Pflege gemacht. Die Fallpauschalen wurden eingeführt. DRG’s (engl.: diagnosis-related groups, ein pauschalisierendes Abrechnungssystem) bestimmten auf einmal die Verweildauer eines Patienten in der Klinik und nicht mehr die medizinische Notwendigkeit. Die Personalbesetzungen auf den Stationen wurden massiv gekürzt. Dienstpläne und Arbeitszeiten waren nicht mehr verlässlich. Deshalb war ich vier Jahre dort als Betriebsratsvorsitzender mit Freistellung aktiv und habe mich für die Verbesserung der Arbeitsverhältnisse meiner Kolleginnen und Kollegen stark gemacht.

Nach den elf Jahren in der Fachklinik Hilchenbach habe ich als Pflegefachkraft bei der Lebenshilfe im Kreis Altenkirchen angefangen. Hier habe ich zuerst in einer Tagesförderstätte für schwer mehrfach behinderte Menschen gearbeitet. Auch in meiner neuen Arbeitsstätte habe ich mich im Betriebsrat eingebracht und wurde 2013 zum Vorsitzenden gewählt mit 50 % Freistellung für meine Betriebsratstätigkeit. Mit den weiteren 50 % Stellenanteil arbeite ich als Pflegefachkraft, bin Sicherheitsbeauftragter für Medizinprodukte und koordiniere die arbeitsmedizinischen Untersuchungen im Betrieb. Die Lebenshilfe hat verschiedene Einrichtungen der Eingliederungshilfe: Werkstätten, Kitas und Tagesförderstätten sowie eine große Einrichtung der Altenhilfe. Durch meine Betriebsratstätigkeit und meine berufliche Tätigkeiten habe ich in alle Einrichtungen einen Einblick gewinnen können.

Als Leichtathlet war ich ein passabler Langstreckenläufer, hier beim Köln-Marathon.

Ich bekam aber auch die Chance auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. So war ich Messdiener in der Katholischen Kirche und Pfadfinder im DPSG Kirchen. Ich wurde Mitglied des Fördervereins der Pfadfinder, des Schachvereins „Zugzwang Wehbach“, betrieb Leichtathletik in der LG Sieg und im TuS Deuz und spielte Fußball in der SG Kirchen und dem FC Hilchenbach. Darüber hinaus bin ich nach wie vor aktiv im AWO-Ortsverein Siegen sowie im Verein Bunte Hammerhütte e.V.

Pfadfinder Zeltlager der DPSG Kirchen/Sieg

Im Jahr 2006 habe ich mich entschieden, in die SPD einzutreten, um auch anderen Menschen die Teilhabechancen zu ermöglichen, die ich bekommen habe. Innerhalb der SPD bin ich im SPD-Ortsverein Siegen-Stadt, im SPD-Stadtverband Siegen und im SPD-Unterbezirk Siegen-Wittgenstein politisch aktiv. Das führte dazu, dass ich 2009 sachkundiger Bürger im Rat der Universitätsstadt Siegen im Sport- und Bäderausschuss und rund ein halbes Jahr später auch im Ausschuss für Soziales, Familien- und Seniorenfragen wurde. 2014 und 2020 wurde ich in den Rat der Universitätsstadt Siegen gewählt. Dort bin ich aktuell im Ausschuss für Soziales, Familien und Senioren sowie im Arbeitskreis Wohnbaulandkonzept aktiv, um bezahlbaren Wohnraum in Siegen zu schaffen, der dort dringend benötigt wird. Seit 2020 bin ich weiterhin direkt gewähltes Mitglied des Kreistags Siegen-Wittgenstein. Dort bin ich Mitglied im Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Bevölkerungsschutz.